Kunst-Station Sankt Peter
Leonhard-Tietz-Str. 6 _ 50676 Köln
presse@sankt-peter-koeln.de _ www.sankt-peter-koeln.de
Tel: 0221/9213030 _ Fax: 0221/9213038
Geöffnet: Di - Sa: 11.00 - 17.00 Uhr _ So: 13.00 - 17.00 Uhr
Verantwortlich: Kai Kullen

Zentrum für zeitgenössische Kunst, Neue Musik und zeitgenössische Literatur
Frei und eigenständig finden in der Kunst-Station Sankt Peter Ausstellungen der Gegenwartskunst, Konzerte Neuer Musik und Lesungen zeitgenössischer Literatur statt. Kunst, Religion und Kirche begegnen sich in gegenseitigem Respekt und im Spannungsfeld unterschiedlicher Sichtweisen.
Geschichte
Die Gemeinde Sankt Peter gehört zu den ältesten Pfarreien Kölns. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wird Sankt Peter erstmals als Pfarrkirche des Cäcilienstiftes genannt, doch darf vermutet werden, dass diese Kirche bereits seit dem Jahr 941 zum Cäcilienstift gehörte. Archäologische Grabungen brachten sechs Bauperioden zutage: zwei noch aus römischer Zeit, zwei Meter unter dem heutigen Niveau eine Kirche spätrömischen Ursprungs, eine staufische Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit dem romanischen Westturm und eine nova capella aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die heutige Kirche stammt aus den Jahren 1513-1525. Peter Paul Rubens, der seine ersten zwölf Lebensjahre im Pfarrsprengel verbrachte und dessen Vater in der Kirche beerdigt ist, malte für Sankt Peter mehr als zwei Jahre bis zu seinem Tod 1638 die Kreuzigung Petri. Die erhaltenen Renaissancefenster und ein spätgotisches Triptychon sind die bedeutendsten Kunstwerke aus alter Zeit in Sankt Peter. Der 2. Weltkrieg zerstörte die Kirche bis auf die Außenmauern und wenige Netzgewölbe in den Seitenschiffen. Die einstmals zu den größten Kölner Gemeinden zählende Pfarrei schrumpfte von 7500 vor dem Krieg auf 600 Gemeindemitglieder. Besonders die Predigttätigkeit von P. Schuh und seine persönliche Ausstrahlung machten Sankt Peter in den 60er und 70er Jahren zu einem Zentrum intellektuell sensibler und suchender Katholiken. 1987 gründete sein Nachfolger P. Friedhelm Mennekes die Kunst-Station Sankt Peter und begann die Arbeit mit der zeitgenössischen Kunst und der neuen Musik. 1997 bis Ende 2004 musste die Kirche einer umfangreichen Sanierung unterzogen werden. Dabei wurde die Chance einer grundlegenden Neugestaltung des Innenraums genutzt. Die Qualität des Sakralen ist der Leere zu danken; den großen Kunstwerken wie der Kreuzigung Petri (1640) von Peter Paul Rubens oder der aufgebrochenen Skulptur gurutz aldare (2000) von Eduardo Chillida seine atmosphärische Aufladung.
Raum
Wer Sankt Peter betritt, erlebt einen Sakralraum von neuer Art. Für viele Menschen ist die Kirche ungewohnt karg und leer. Das hat seinen Grund: Der Mensch von heute, wo immer er geistig verankert ist, darf hier seinen Raum erleben. Denn der Raum des Menschen ist seine Freiheit. Hier kann er seine Erfahrungen ordnen und am Ende selbst-entfaltend wohnen. Neben den physikalischen Räumen gibt es den Vorstellungs- und Bewusstseinsraum, den künstlerischen Raum, den sakralen Raum. Zwischen ihnen und in ihnen ist die Leere. Diese formale Raumbestimmung wird inhaltlich interpretiert durch das Handeln, sprich das Einrichten durch den Menschen. Solches Einrichten setzt ein Freiräumen vorraus. Nur über diese Handlung kann es zum Einräumen kommen. Der moderne Kirchenbesucher begreift die erlebte Atmosphäre zunächst ästhetisch. Der Raum rührt ihn persönlich an. Das macht den Raum aber noch nicht sakral. Gleichwohl unterstützt die so verstandene Raumatmosphäre das, was der Glaubensvollzug der feiernden Gemeinschaft als sakral versteht. Die Leere bringt den Besucher zur Verwunderung und zwingt ihn zur Auseinandersetzung: Was ihm fehlt, muss er selbst ein-räumen. Er benötigt die vorhandenen kulturellen Strukuren in Wort, Bild und Ton, um seine Gefühle zu formen und zu äußern. Zur Anregung gehören nicht nur das Angebot des Wortes Gottes, die sakramentale Feier der religiösen Geheimnisse, meditatives Schweigen und Anbetung, sondern auch Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Vorträge, Gespräche. Zu den Veranstaltungen werden für den Kirchenbesucher Stühle aufgestellt. Gewissermaßen als ein Teil der Liturgie räumt die Gemeinde diese nach der Messe selbst wieder weg. Auch im sakralen Raum ist alles im Fluss.